Stefanie und Günther Beltz aus der empathiewerkstatt sprechen über das Thema Konflikte.

Konflikte am Arbeitsplatz | Konflikte im Team

„Konflikte? Bei uns läuft alles harmonisch.“
Diesen Satz hören wir regelmäßig. Und jedes Mal denken wir dasselbe: Wirklich?

Denn seien wir ehrlich, haben Sie noch nie erlebt, dass ein Konflikt für schlaflose Nächte gesorgt hat?
Für ein geplatztes Projekt? Für Krankmeldungen, die sich häufen? Für eine Kündigung, die niemand kommen sah?

Konflikte bzw. Konfliktprävention sind in deutschen Unternehmen bis heute ein Tabuthemen. Führungskräfte und HR-Verantwortliche schauen manchmal lieber weg, als das Thema offensiv anzugehen und Teamkonflikte zu erkennen. Streitende Mitarbeitende oder Führungskräfte gelten als unprofessionell. Diese Form der Auseinandersetzung wird gleichgesetzt mit sozialer Inkompetenz.

Das ist schade. Denn damit wird viel Potenzial verschenkt – und gleichzeitig kostet das sehr viel Geld.

Was es kostet, wenn Konfliktmanagement in Unternehmen fehlt, was ignorierte Konflikte wirklich kosten:

Die Zahlen, die Studien zu diesem Thema liefern, sind erschreckend klar:

Laut dem Hernstein-Institut für Management und Leadership binden Konflikte am Arbeitsplatz durchschnittlich 15 % der täglichen Arbeitszeit in Deutschland. Bei Führungskräften sind es sogar 30 bis 50 % der wöchentlichen Arbeitszeit, die direkt oder indirekt für Reibungsverluste, Konflikte oder deren Folgen aufgewendet werden.

Die KPMG-Konfliktkostenstudie zeigt: Jedes zehnte Unternehmen verliert jährlich mindestens mehr als 500.000 Euro.
Und Studien zu kleinen und mittleren Unternehmen belegen, dass Konfliktkosten bis zu 19–20 % der Personalkosten ausmachen können.

Hinzu kommen die menschlichen Kosten: Mobbing und betriebliche Ängste belasten Unternehmen laut Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds jährlich mit bis zu 25 Milliarden Euro an wirtschaftlichem Schaden. Die Kosten pro Mobbingfall betragen im Durchschnitt 60.000 Euro.

Konflikte zwischen Mitarbeitern sind nicht das Problem

Hier kommt der entscheidende Perspektivwechsel: Konflikte sind normal. Konfliktkompetenz ist notwendig.

Überall dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Erfahrungen, Werten und Zielen zusammenarbeiten, entstehen Reibungspunkte. Das ist kein Zeichen von Schwäche oder Inkompetenz. Vielmehr ist es Menschsein.

Und Konflikte im Team haben eine produktive Seite, die viel zu selten gesehen wird:

Ohne sie gibt es kaum Wachstum oder Entwicklung. Zudem können durch konstruktive Auseinandersetzung Grenzen verteidigt werden. Außerdem geben sie Teams ihre Identität – und den Mut zu neuen Ideen.

Prof. Wolfgang Scholl von der Humboldt-Universität Berlin kommt in seiner umfangreichen Studie zu einem klaren Ergebnis: „Unternehmen können den Erfolg ihrer Innovationsbemühungen steigern, wenn sie lernen, mit Konflikten produktiver umzugehen.“ Eine offene, respektvolle Konfliktaustragung bringe neues Wissen zutage, während Konfliktvermeidung dazu führe, dass weniger neues und besseres Wissen entsteht.
Mit anderen Worten: Wer Konflikte unterdrückt, unterdrückt auch Innovation.

Konflikte am Arbeitsplaz: Was Unternehmen jetzt tun können

Die gute Nachricht: Konfliktkompetenz ist kein angeborenes Talent. Sie kann trainiert werden.

Schritt 1: Anerkennen, dass Konflikte dazugehören.
Überall, wo mehr als ein Mensch arbeitet, gibt es Konflikte. Das ist keine Schwäche Ihres Teams – das ist Realität. Wer das ausspricht, schafft Luft zum Atmen.

Schritt 2 – Darauf aufbauend: Eine Kultur der wertschätzenden und aufrichtigen Kommunikation aufbauen.
Nicht jeder Konflikt muss eskalieren. Wer frühzeitig das Gespräch sucht – wertschätzend, empathisch und auf Augenhöhe – verhindert, dass aus einer Meinungsverschiedenheit ein kostspieliges Dauerproblem wird.

Schritt 3 – Zusätzlich wichtig: Konflikttraining für Führungskräfte.
Führungskräfte verbringen ohnehin bis zu 50 % ihrer Arbeitszeit mit Konfliktfolgen. Wenn diese Zeit jedoch in Konfliktklärung investiert wird statt in Schadensbegrenzung, verändert das die gesamte Unternehmenskultur.

Schritt 4 – Und schließlich: Externe Unterstützung als Stärke begreifen.
Manchmal braucht es eine neutrale Perspektive von außen – eine Mediation, ein Coaching, ein Konfliktgespräch mit professioneller Begleitung. Das ist kein Eingeständnis des Scheiterns, sondern vorausschauende und innovative Unternehmensführung.

Fazit: Stehen Sie zu den Konflikten in Ihrem Unternehmen

Konflikte am Arbeitspaltz unter den Teppich zu kehren ist keine Lösung – es ist nur eine Verzögerung. Irgendwann stolpert jemand darüber. Manchmal ist das eine Kündigung. Manchmal ein geplatztes Projekt. Manchmal ist es das Vertrauen, das still und leise aus dem Team schleicht.

Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten hingegen wirkt sich positiv aus auf Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, Krankenstand, Fluktuation und Unternehmenskultur. Und auf etwas, das sich schwerer messen lässt, aber genauso wichtig ist: auf das Gefühl, in einem Team zu arbeiten, in dem man ehrlich sein darf.

Konfliktkompetenz ist ein Wettbewerbsvorteil.

Wir von der empathiewerkstatt begleiten Unternehmen dabei, Konflikte sichtbar zu machen und konstruktiv zu klären – durch Externe Konfliktberatung und Mediation im Unternehmen. Oder Sie buchen ein Konflikttraining und Kommunikationstrainings für Teams und Führungskräfte zurf Konfliktprävention. Neugierig? Wir freuen uns auf den Austausch.
Weitere Informationen finden Sie hier.